Juli 2010, Duisburg/Paderborn

Malteser helfen bei Massenpanik auf Loveparade

Behinderungen der Einsatzkräfte

Einsatzleiter Nils Brandes aus Lage/Lippe berichtet von schockierenden Eindrücken und Helferinnen und Helfern, die Übermenschliches geleistet haben und nun selbst der Betreuung bedürfen.

Sonntag, 25. Juli, 13:30 Uhr - Auszug aus den eNews spezial des Malteser Hilfsdienstes

Malteser eNews spezial zum Einsatz auf der Loveparade

Malteser trauern um Opfer der Loveparade: Mit großer Betroffenheit haben die Malteser auf die Toten und Verletzten während der Loveparade am 24. Juli reagiert. Die Malteser trauern um die Toten. Ihr Gebet gilt auch den Angehörigen der Opfer. Nach aktuellen Angaben sind aufgrund der Massenpanik nahe dem Veranstaltungsort in Duisburg neunzehn Menschen zu Tode gekommen und über 300 verletzt worden.

Mit als erste vor Ort: Zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfall-Hilfe und dem Arbeiter-Samariter-Bund hatten die Malteser den Sanitätsdienst bei der Loveparade übernommen. Mehrere Einheiten der Malteser waren mit die ersten an der Unglücksstelle. Insgesamt kam es bei dem bis ca. zwei Uhr nachts dauernden Einsatz zu mehreren tausend Hilfeleistungen. Journalisten vor Ort sagten, die Rettungskräfte machten einen "wahnsinnig professionellen Job".

Nachsorge angelaufen: "Die Helfer waren am Abend total fertig", berichtet Kai Vogelmann, Pressesprecher der Malteser in Nordrhein-Westfalen, der auf der Loveparade seitens der Hilfsorganisationen die Medienarbeit koordinierte. Diesen Einsatz werden die Helfer nicht vergessen. "Die Psychosoziale Notfall-Versorgung war sofort da", sagt Vogelmann. Ziel war es, den Einsatzkräften noch vor Ort Hilfe anzubieten. Spezialkräfte der Malteser hierfür kamen unter anderem aus Würzburg, Aachen, Emsdetten und Köln. Auch der Leiter der Malteser für Psychosoziale Notfall-Versorgung Sören Petry war in Duisburg. Wieder zu Hause angekommen, steht für die Helfer ein dezentrales Nachsorgesystem bereit, das sie bei Bedarf in Anspruch nehmen können.

Bilder unter anderem vom Einsatz bei:

 http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-57495.html

Aktuelle Berichte und Interviews mit Malteser-Einsatzkräften in der WDR-Mediathek

Info: Klaus Walraf presse@malteser.org

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Sonntag, 25. Juli, 10:45 Uhr: Thorsten Heß, Diözesanreferent Notfallvorsorge, berichtet über die Gütersloher Einsatzkräfte. Diese hatten eine feste Unfallhilfsstelle in Bühnennähe und zahlreiche Einsätze, jedoch alle im Rahmen der einfachen Ersten Hilfe. Zudem stellten sie eine RTW-Besatzung, die beim Abtransport weniger schwer Verletzter zum Einsatz kam. Schockierend waren die Rückmeldungen der Malteser aus Hannover, mit denen die Gütersloher zusammen in einer Essener Jugendherberge untergebracht waren. Die Kollegen mussten das Unglück aus unmittelbarer Nähe mit ansehen, konnten jedoch aus Gründen des Eigenschutzes nicht sofort Hilfe leisten.

"Am Samstag gegen 19:35 Uhr wurde landesweiter Katastrophenschutzalarm ausgelöst. Die Hilfsorganisationen, darunter die Einsatzeinheiten der Malteser bis nach Ostwestfalen, nahmen Aufstellung in Bereitschaftsräumen entlang der A 44 und A 2. Zu einem Einsatz kam es zum Glück nicht, da es nach Abschluss der Veranstaltung in Duisburg zu keinen weiteren Problemen kam", zeigte sich Thorsten Heß erleichtert. Der Alarm wurde gegen 1:35 Uhr morgens aufgehoben.

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Samstag, 24. Juli, 20:45 Uhr: Insgesamt 30 Helfer/innen der Malteser Lage/Lippe, Geseke Gütersloh und Dortmund aus dem Erzbistum Paderborn stellten zusammen eine mobile Sanitätsstation. Rund 1.200 Einsatzkräfte aller Hilfsorganisationen aus ganz Deutschland, darunter besonders geschulte Einsatzkräfte zur psycho-sozialen Unterstützung bzw. Krisenintervention waren nach Duisburg gekommen, aber niemand hatte mit einer derartigen Eskalation gerechnet. 

„Wir sollten als mobile Sanitätsstation dort eingesetzt werden, wo die vorhandenen Behandlungsplätze überlastet waren oder wo auf dem Weg zum Veranstaltungsgelände eine zusätzliche Station aufgebaut werden musste“ so Nils Brandes, Leiter der mobilen Einheit aus der Stadtgliederung Lage/Lippe.

„Viele Helferinnen und Helfer bringen Erfahrungen von den Veranstaltungen der letzten Jahre aus Berlin, Essen und Dortmund mit. Als es am Zugangstunnel zur Massenpanik kam, waren wir in unmittelbarer Nähe und wurden sofort zum Unglücksort gerufen. Wir übernahmen die Reanimation und medizinische Erstversorgung zahlreicher Verletzter. Leider kam jedoch für einige Besucher jede Hilfe zu spät. Unsere Einsatzkräfte habe Übermenschliches geleistet und für uns alle war es wohl der schwerste Einsatz unseres Lebens", berichtete Nils Brandes kurz nach dem Einsatz an die Diözesangeschäftsstelle. "Nach Beruhigung der Lage haben wir unsere Kräfte in eine Jugendherberge einquartiert, wo sie nun psycho-soziale Unterstützung erhalten, unter anderem durch einen Malteser-Seelsorger. Die meisten Helferinnen und Helfer werden diese Nacht zur Betreuung in Duisburg bleiben. Wir werden sicherlich lange brauchen, um das Geschehene und Gesehene zu verarbeiten", so Brandes weiter.

Die Malteser-Jugendliche Loesje Brakweh aus Lage/Lippe, die mit einer Jugendgruppe als Besucherin auf dem Gelände war, berichtete von chaotischen Zuständen am Unglücksort: "Die Wege waren verstopft und die Notausgänge wurden erst viel zu spät geöffnet. Wir konnten uns nur durch Klettern über einen Hügel in Sicherheit bringen. Wir haben uns dann zum Bahnhof durchgekämpft, aber auch dort war es gefährlich. Der Bahnhof wurde geschlossen, da einige Jugendliche über die Geleise liefen. Nach einigen Stunden wurde endlich ein Notfallbus zur Verfügung gestellt, mit dem wir zum Bahnhof nach Essen transportiert wurden. Von dort aus konnten wir dann um 22:30 Uhr die Heimreise antreten."

Information über den Einsatz der Helfer/innen aus Lippe bekommen Sie auch im Internet via www.Twitter.com unter dem Benutzer Malteser_Lippe.

Die Loveparde wurde derweil fortgesetzt, um eine weitere Panik durch abwandernde Massen zu verhindern. Die Nachrichtensendungen berichteten schon zur gleichen Zeit, dass zahlreiche Jugendliche bereits zuvor nachrückende Freunde per SMS und Internet über die Gefahren beim Zugang auf das Veranstaltungsgelände gewarnt hatten. Trotzdem wurde der weitere Zustrom der Massen offensichtlich nicht rechtzeitig gestoppt.

Informationen der Bundesgeschäftsstelle

Quelle: ZDF
Quelle: ZDF
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