August 2010, Swat/Köln

Pakistan: Malteser mit mobilen Kliniken im Überschwemmungsgebiet

Impfungen und Behandlung akuter Durchfälle

Die Menschen in Swat können die regulären Gesundheitszentren im Moment nur schwer erreichen, da Wege und Brücken zerstört sind.

Malteser-Experte: „Handys können Leben retten“

Köln/Islamabad, 27. September: Mit einem Appell zu mehr Katastrophenvorsorge in Pakistan und der Aufstockung der Hilfe reagiert Malteser International auf die schlechte Gesundheitsversorgung der Menschen nach den Überschwemmungen. „Das Wasser ist zurückgegangen, aber Pakistan bleibt ein hochgradig gefährdetes Gebiet“, sagt Dr. Jürgen Clemens. Der Geograph hat den Blick auf die kommenden Jahre gerichtet: „Vor fünf Jahren das Erdbeben, 2007 die Überschwemmungen in Südpakistan, jetzt die Fluten, immer wieder Dürren; Pakistan ist ein von der Natur extrem bedrohtes Land“. Pakistan müsse zu einem  guten Beispiel für Katastrophenvorsorge werden. „Wir müssen alles dafür tun, dass eine Katastrophe nicht wieder Millionen Menschen ins Elend reißt. Wir können froh sein, dass die Überschwemmungen nicht noch mehr Menschenleben gekostet haben“, zieht der Experte Bilanz.

Nach Ansicht von Clemens, der sich seit 20 Jahren mit dem Land beschäftigt, könnte Pakistan in fünf Jahren bei einer ähnlichen Katastrophe viele Todesopfer verhindern. Nach bisherigen Angaben wurden 1.700 Menschen getötet, zehn Millionen obdachlos, 20 Millionen von den Überflutungen betroffen.  Die Vorsorge könne mit einfachen Mitteln deutlich verbessert werden. Ähnlich den guten Erfahrungen der Malteser in Indien könnten Alarmierungen über die Wasserstände entlang des Indus die Menschen vor dem Ertrinken und vor dem Verlust sämtlichen Hab und Guts bewahren. Das trotz Armut weit verbreitete Handy eröffne neue Möglichkeiten zum Schutz vor Gefahren. „Mit Handy, Handsirene und Mund-zu-Mund-Propaganda informieren sich die Menschen von Nord nach Süd schnell über Pegelstände und Geschwindigkeit des Flusses“, so Clemens. Die Menschen könnten sich in vorher ausgewiesene Schutzräume zurückziehen und hätten Zeit, Wertvolles und Wichtiges zu retten. Wasserbrunnen müssten auf Podesten erbaut werden und so gegen die Kontamination mit schmutzigem Oberflächenwasser geschützt werden. Besonders effizient: Die Beratung der Menschen zum Thema Hygiene. „Ein Hygieneberater von uns kann 15.000 bis 20.000 Menschen pro Jahr informieren, wie sie sich gegen Durchfall, Infektionen usw. schützen können“. Die Überschwemmungen und die damit einhergehende Verbreitung von Keimen hatten zu einer hohen Zahl lebensbedrohlicher Durchfallerkrankungen geführt.

Die Aufstockung der Hilfe durch Malteser International umfasst drei weitere Teams unter Leitung eines italienischen Arztes im Punjab. Insgesamt zehn medizinische Teams der Malteser sind dann im Swat-Tal, in Kohistan und im Punjab im Einsatz. Sie sorgen dafür, dass Krankheiten früh erkannt und behandelt werden. Mit Informationsveranstaltungen wollen sie vor allem Frauen erreichen und sie und ihre Kinder besser vor mangelnder Hygiene und Krankheit schützen. Im Punjab sind zudem drei Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen eingetroffen. Sie werden Gesundheitseinrichtungen sowie die in der Nähe der Einrichtung lebende Bevölkerung mit sauberem Wasser versorgen. Verstärken wird ein Wasserbau-Ingenieur ab sofort die Bemühungen um strukturelle Verbesserungen. Er soll für eine beständigere Bauweise von Brunnen und Wasserleitungen sorgen sowie den Bau von Latrinen an Schulen anleiten.

Nach den Überschwemmungen drängt die Zeit für die Aussaat. Im Norden muss im Oktober gesät sein, sonst fällt die nächste Ernte aus. Im Süden sind auf breiter Fläche viele mehrjährige Pflanzen wie Zuckerrohr und Baumwolle vernichtet. Die Folgen werden die Menschen noch länger spüren. „Die Pakistani werden unsere Unterstützung weiter brauchen“, so Clemens.

 

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Malteser bereiten medizinische Hilfe für Punjab vor / Mitarbeiterin reist Samstag aus

Köln/Islamabad, 27. August: Am Samstag, 28. August, reist die Kölnerin Ruth Göhlen für die Malteser nach Pakistan. Die 48-jährige Pakistanexpertin wird ein Erkundungsteam in den Punjab leiten, um auch dort medizinische Hilfe für die Flutopfer vorzubereiten. Drei medizinische Teams, bestehend aus Ärzten, Krankenschwestern, Hebammen und Gesundheitsarbeitern, sollen sowohl als mobile medizinische Teams eingesetzt werden, als auch medizinische Versorgung in den Flüchtlingslagern übernehmen. „Die medizinische Versorgung reicht bisher vorne und hinten nicht", betont Roland Hansen, Leiter Asienabteilung der Malteser in Köln. „Die Weltgesundheitsorganisation hat uns daher gebeten, auch in Kohistan zwei zusätzliche medizinische Teams einzusetzen", so der Pakistankenner.

In der vergangenen Woche hatten die Malteser ihre Nothilfe angesichts der hohen Betroffenenzahlen schon mehrfach ausgebaut und Nahrungsmittel, Trinkwasser sowie so genannte Non-Food-Items und Hygiene-Kits im Swat-Tal bereitgestellt. Aufgrund der zunehmenden Durchfallerkrankungen durch verseuchtes Wasser und die beengte Unterbringung der Flutopfer sind zudem Hygieneteams im Swat-Tal unterwegs, um die Menschen über die Gefahren im Umgang mit verschmutztem Wasser aufzuklären und Hygiene-Kits mit Seife und Handtüchern zu verteilen. Die fünf medizinischen Teams der Malteser sorgen weiterhin auch in den noch nicht mit Geländefahrzeugen zu erreichenden Gebieten für die medizinsiche Behandlung der Opfer.

Damit engagieren sich die Malteser in Pakistan jetzt mit einem Projektvolumen von mehr als drei Millionen Euro in der Nothilfe und im Wiederaufbau. Die Gelder setzen sich zusammen aus Spenden (eigene Spenden, Aktion Deutschland Hilft und Spenden aus dem weltweiten Netzwerk des Malteserordens sowie aus finanziellen Mitteln des Auswärtigen Amtes, des BMZ und der Vereinten Nationen). „Wir sind sehr dankbar, dass die deutsche Bevölkerung jetzt doch mehr für die Flutopfer spendet", so Hansen. Er betonte jedoch, dass der Bedarf noch lange nicht gedeckt sei.

Für all diese Hilfsmaßnahmen können die Malteser über den bedarfsgerechten und effizienten Einsatz der Gelder Rechenschaft abgeben - dies wird unter anderem durch unabhängige Wirtschaftsprüfer in Deutschland und in Pakistan untersucht und bestätigt und muss zudem den Geldgebern wie der deutschen Bundesregierung detailliert nachgewiesen werden.

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„Wir sind heute in Mingora, und unser medizinisches Team hat in den ersten zwei Stunden bereits 125 Menschen behandelt“, berichtet Dr. Jürgen Clemens, Pakistanreferent bei Malteser International und im Moment vor Ort in Swat. „Die Menschen hier leiden vor allem unter wässrigen Durchfällen und Hauterkrankungen, Cholerafälle können wir bisher zum Glück nicht bestätigen.“ Es sind vor allem die Frauen und Kinder, die im Moment zu den mobilen Kliniken kommen.

An 1.000 Familien, die als Patienten zu den mobilen Kliniken kamen, gaben die Malteser inzwischen jeweils zwei 10-Liter-Wasserkanister aus. „Gerade dort, wo es bereits Krankheiten gibt, ist die sichere Aufbewahrung von Trinkwasser lebenswichtig“, erklärt Clemens. „Es ist außerdem eine Priorität, die Kinder zu schützen, deren Immunsystem schwächer ist als das der Erwachsenen. Deswegen impfen wir die Kinder gegen Masern und Tetanus, wenn wir mit einer mobilen Klinik vor Ort sind und arbeiten dazu eng mit der pakistanischen Regierung, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen Organisationen zusammen.“

Die Menschen in Swat können die regulären Gesundheitszentren im Moment nur schwer erreichen, da Wege und Brücken zerstört sind. Deshalb verstärken die Malteser ihre medizinische Hilfe durch mobile Kliniken. Wo behandelt wird, wird jeden Tag aufs Neue nach Bedarf entschieden. Clemens blickt in die nahe Zukunft: „Wir hoffen, in dieser Woche unsere Mitarbeiter so organisieren zu können, dass wir sogar an zwei Orten parallel mobile medizinische Hilfe anbieten können.“ Das deutsche Auswärtige Amt unterstützt die medizinische Arbeit der Malteser und Verteilaktionen von Hygienematerial und anderen Nothilfegütern mit über 230.000 Euro.

Die Malteser leisten im Swat-Tal medizinische Nothilfe für ein Einzugsgebiet von ungefähr 70.000 Menschen. Zusätzlich versorgen sie Familien, die sich im Bereich Islampur in Schulen geflüchtet haben, mit Trinkwasser. Die Malteser sind seit 2005 kontinuierlich in Pakistan tätig, seit August 2009 unterstützen sie zurückkehrende Binnenflüchtlinge aus dem Swat-Distrikt vor allem mit der Basisgesundheitsversorgung. Derzeit sind 25 nationale und zwei internationale Mitarbeiter vor Ort im Einsatz.

Achtung Redaktionen: Dr. Jürgen Clemens, Pakistan-Referent bei Malteser International, steht in Pakistan für Interviews und Berichte aus der Katastrophenregion zur Verfügung. Vermittlung: 0221/9822-125

 

Bildmaterial aus den mobilen Kliniken ist verfügbar unter http://php.malteser.de/cpg133/thumbnails.php?album=277

 

Die Malteser sind Mitglied von Aktion Deutschland Hilft (ADH) und rufen gemeinsam mit ADH zu Spenden für die Menschen in Pakistan auf:
Aktion Deutschland Hilft, Stichwort: Flut Pakistan
Spendenkonto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
Spendenhotline: 0900 55 102030

 

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