April 2010, Köln/Paderborn

10 Jahre ehrenamtlicher Besuchs- und Begleitungsdienst

Feierstunde in der Malteser Kommende Ehreshoven

Bundesweite Hilfe für ältere, chronisch kranke, behinderte und einsame Menschen an mittlerweile 185 Standorten, davon 14 im Erzbistum Paderborn.

Tag für Tag warten immer mehr alte und hochbetagte Menschen in Deutschland darauf, dass jemand mit ihnen spricht und sich für sie interessiert. Oft sind die Stimmen aus dem Fernsehen die einzigen, die sie seit Wochen gehört haben. Dabei zeigen Studien, dass schon minimale soziale Kontakte nicht nur die Einsamkeit lindern, sondern auch zu weniger Krankheit und Pflegebedürftigkeit führen. Die Mitarbeiter des Malteser Besuchs- und Begleitungsdienstes (BBD) holen Menschen aus ihrer Einsamkeit heraus – ehrenamtlich und unentgeltlich.

Vor zehn Jahren gegründet, gibt es die Malteser Besuchs- und Begleitungsdienste mittlerweile an 185 Standorten in Deutschland, davon 14 im Erzbistum Paderborn. Und: „Die Nachfrage steigt stetig. Viele Senioren leben nicht nur allein - sie sind es auch, und vier von fünf Senioren möchten nicht in ein Heim oder können es sich aufgrund von Altersarmut erst gar nicht leisten“, betont Johannes Freiherr Heereman, Geschäftsführender Präsident des Malteser Hilfsdienstes (Foto vorne).

„Unsere Besuchs- und Begleitungsdienste erhalten sehr oft Anrufe von Menschen, die jemanden suchen, der mit ihnen spazieren geht, Karten spielt, sie beim Einkaufen begleitet, beim Besuch auf dem Friedhof oder einfach nur zuhört“, weiß Heereman. Ob in privater Wohnung, Altenheimen oder Seniorenresidenzen – überall ist Ähnliches zu erleben: Einer bleibt alleine zurück, Beziehungen haben sich aufgelöst, auch die Beine wollen nicht mehr so recht. Die Seniorinnen und Senioren haben viel Zeit, aber niemanden, der sie mit ihnen teilt. „Hohe Scheidungsquoten, die Mobilität am Arbeitsplatz und der Zerfall von Familien trennen immer mehr junge pflegefähige Menschen von ihren bedürftigen Eltern und Verwandten“, so Heereman. Die Überalterung komme hinzu, viele Senioren lebten in Singlehaushalten.

Immer mehr Menschen engagieren sich in den Besuchs- und Begleitungsdiensten der Malteser. Damit jeder Wunsch nach einem Gespräch, nach kleinen Unternehmungen, nach persönlicher Zuwendung erfüllt werden kann, suchen die Malteser jedoch weitere ehrenamtliche Helfer. „Wir haben mehr Anfragen von Menschen, die besucht werden möchten, als Personen, die jemanden besuchen wollen“, so Heereman. „Dabei reicht schon eine Stunde in der Woche, um einem einsamen Menschen eine unbezahlbare Freude zu machen, und man wird selbst beschenkt.“

Das 10-jährige Bestehen der Besuchs- und Begleitungsdienste begingen die Malteser am 16. April in der Kommende in Ehreshoven bei Köln mit einer Feierstunde.

Der Festakt war eingebunden in das jährliche Praktikertreffen der Besuchsdienstleitungen. In 6 Workshops wurden folgende Themen angeboten: Biographiearbeit, Intranet in der Praxis, KreAktive Mal-Zeit, Wie „geht“ Leitung, BBD-Nächstenliebe oder Marketing und „Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen...“

Weitere Informationen gab es am Folgetag auf dem „Markt der Projekte und Ideen.“ Auf den 4 Marktständen stellte die Diözese Hildesheim das Projekt  „Vernetzte Hilfsangebote der ortsansässigen Dienste im Malteser Sozialzentrum St. Augustinus in Hannover vor. Neben MHD, Caritas, Diakonie, Alzheimer Gesellschaft usw. bringt jeder Anbieter sein Fachkönnen zum Wohle der Gemeindemitglieder ein. Ähnlich läuft ein Hilfsmodell bei den Maltesern in Borchen, Diözese Paderborn, nur dass alle Hilfen von den Maltesern angeboten werden. Darunter fallen neben BBD auch Einkaufs-, Umzugs-, Krisen- Schularbeithilfen usw., die von Malteserhand gesteuert werden.

Desweiteren informierte die gleiche Gliederung über den BBD mit Hund (natürlich mit einem Hund am Stand), den sie auch im Angebot haben. Als letzter Stand informierten die Dortmunder Malteser über den Stand des  Projekts „Malteser-Ruf“ (Betreuung am Telefon).

In der ganzen Kommende war eine Foto-Ausstellung vom Besuchs- und Begleitungsdienst zu sehen.

Das nächste Praktikertreffen findet vom 17.-19. Juni 2011 in Ehreshoven statt.

Hintergrund: Die Idee für den Besuchs- und Begleitungsdienst kam aus der Hospizarbeit: Die Helferinnen und Helfer waren immer mehr mit der Begleitung alter, aber durchaus nicht kranker oder sterbender Menschen betraut und benötigten dringend Entlastung. So fasste die Bundesversammlung des Malteser Hilfsdienstes vor zehn Jahren in Erfurt den Gründungsbeschluss für die Besuchs- und Begleitungsdienste. Heute engagieren sich mehr als 2.000 Ehrenamtliche an 185 Standorten für 7.000 ältere oder behinderte Menschen und schenken ihnen Zeit. Im Durchschnitt „nur“ eine Stunde in der Woche. In der Summe bedeutete das 100.000 Stunden weniger Einsamkeit im vergangenen Jahr. Denn: Zusammen ist man weniger allein.

Mehr Informationen

Gruppenfoto vom Praktikertreffen
Gruppenfoto vom Praktikertreffen
mehr dazu auf diesen Seiten
Konzept & Design: qpoint - Contentmanagement und Programmierung: BOOS:DV