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Malteser Paderborn

Retter auf steinigen Pfaden

Malteser helfen Pilgern in Medjugorje

06.10.2017
Wilfried Benkel (r.) und seine Frau Maria haben fünf Wochen in Medjugorje geholfen. 14 Tage wurden sie von (v.l.) Norbert Scheckel (Pastor in Geseke und Malteser Diözesanjugendseelsorger), Tim Tegetmeyer (Geseke), Christian Feldmann (Geseke), Jonas Reker (Geseke) und Oliver Smith (Lippstadt).
Auf den steinigen Pfaden den Erscheinungsberg hinauf ist das Verletzungsrisiko hoch.
40.000 junge Menschen feiern das Mladifest. Die Malteser sind mittendrin.
Mit dem speziell angefertigten Rettungsvehikel transportieren Tim Tegetmeyer (l.) und Oliver Smith eine verletzte Pilgerin. Fotos: Malteser

Geseke/Lippstadt/Erzdiözese Paderborn/ Medjugorje. Bis zu einer Millionen Menschen pilgern Jahr für Jahr nach Medjugorje, dem großen Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina. Heiße Sommer, unwegsames Gelände – um die Pilger zu versorgen, helfen die Malteser seit fast 20 Jahren in der einzigen Sanitätsstation vor Ort. Menschen wie das Geseker Ehepaar Maria und Wilfried Benkel.

Klein und unscheinbar war der Ort, etwa 30 Kilometer südwestlich der Stadt Mostar gelegen, im kroatisch besiedelten Teil Bosnien-Herzegowinas. Gerade einmal 400 Seelen zählte die Gemeinde zu Beginn der 1980er Jahre. Dies ändert sich schnell, ab 1981, als die ersten Marienerscheinungen weltweit für Aufsehen sorgen. Schnell verbreitet sich die Nachricht. Und schon im gleichen Jahr kommen die Pilger zu abertausenden. Schnell wächst die Bevölkerung, heute sind es 4.000 Einwohner. Schnell wird aus dem beschaulichen Dorf ein Ort des Gebets –und einer der größten Wallfahrtsorte Europas. Als solcher ist Medjugorje bis heute nicht offiziell anerkannt. Doch wo immer Menschen beten und Hilfe benötigen, da sind auch die Malteser nicht weit. Bereits seit Juni 1998 betreiben sie die einzige Sanitätsstation der Gemeinde: die Ambulanz „Donum Dei".

„Alle Helfer, die schon einmal dort waren sagen, dass dieser Einsatz total klasse ist“, schwärmt Maria Benkel. Zuhause in Geseke ist sie Leiterin Soziales Ehrenamt bei den Maltesern. Hier, in Medjugorje, hilft sie als Rezeptionistin in der Ambulanz. Ihr Mann Wilfried ist Stadtbeauftragter der Geseker Malteser. In Medjugorje engagiert er sich ehrenamtlich als Einsatzleiter. Schon das fünfte Jahr in Folge ist er mit Herzblut dabei. So manchen Einsatz haben die Benkels in ihren 42 Ehejahren für die Malteser geleistet. Doch dieser hier, da sind sich beide einig, ist etwas ganz Besonderes: „Wenn man einmal da war, weiß man, dass man wieder hin muss, das ist einfach unbeschreiblich.“ Und so haben sich die beiden diesen Sommer gleich für fünf Wochen gemeldet – von Mitte Juli bis Mitte August.

Über Stock und Stein

„Donum Dei“, im Zentrum Medjugorjes gelegen, ist ein zweistöckiges Gebäude. Im Erdgeschoss befindet sich die Ambulanz. Dort arbeiten die Malteser Hand in Hand mit jeweils einem Arzt und einer Krankenschwester und versorgen verletzte Pilger sowie Einheimische. Im Dachgeschoss sind die einfachen Quartiere für die ehrenamtlichen Helfer. Bis zu zehn Malteser beziehen hier Quartier, in der Wallfahrtssaison, von Palmsonntag bis zum 31. Oktober. In diesem Jahr ist gleich ein komplettes Malteser Sanitätsteam aus der Erzdiözese Paderborn angereist. Unter ihnen auch Gesekes Pastor Norbert Scheckel, der 14 Tage lang mit von der Partie ist. Gearbeitet wird hier im Zweischichtsystem, jeweils von 9 bis 21 Uhr. Alle Pilger werden kostenlos versorgt, die Ambulanz finanziert sich über Spenden.

Den Dienst der Malteser kann man beschreiben als Mischung aus Rettungsdienst, Bergwacht und Tätigkeiten als Arzthelfer. „Von Bauchschmerzen, über Kreislaufprobleme und Schnittwunden bis zu verknacksten Knöcheln und einem Oberschenkelhalsbruch war alles dabei. Wir hatten diesen Sommer wieder alle Hände voll zu tun“, bilanziert Wilfried Benkel. Kein Wunder: Pilger aller Altersklassen wollen natürlich hinauf auf den Erscheinungsberg und den Kreuzberg. Der einzige Weg hinauf führt über steile Pfade mit knorrigen Wurzeln. Die Pilger steigen über spitze Steine hinweg und immer wieder säumen dicke Gesteinsbrocken den Weg. Kein Rettungswagen kann dorthin gelangen, einen Helikopter gibt es nicht. Und so müssen die Malteser häufig Pilger direkt am Berghang versorgen. Beim Transport der Pilger hinab zur Ambulanz helfen ihnen Bewohner des örtlichen Cenacolos. In dieser Gemeinschaft leben Männer, die nach einer Suchterkrankung oder anderen Krisensituation Hilfe zu einem Neubeginn suchen.

Großes Jugendfestival im August

Für die Benkels ist das Highlight auch in diesem Jahr das Mladifest, das große internationale Jugendfestival. Mehr als 40.000 junge Menschen aus 62 Nationen strömen herbei. Ausgelassen und intensiv feiern sie ihren Glauben. Und das bei bis zu 42 Grad Celsius. „Wenn die Menschen schon um 9 Uhr morgens anfangen zu beten, ihre bunten Banner und Landesfahnen schwenken, wenn sie ihre frohen Gottesdienste feiern,  das steckt einfach an“, sagt Maria Benkel. Bei den allabendlichen Gottesdiensten am Messeplatz hinter der Pfarrkirche St. Jakobus sind bis zu 650 Priester mit dabei. „Die Gottesdienste werden simultan in alle Sprachen übersetzt“, berichtet Wilfried Benkel. „Man hört dann über ein Radio zum Beispiel die deutsche Übersetzung auf der Frequenz 93,8. In dem internationalen Gottesdienst errinnert mich das an Pfingsten: jeder betet in seiner Sprache.“ Allerorten erlebt man dieser Tage eine tiefe Frömmigkeit. Man spürt auch eine Leichtigkeit, die die Jugendlichen weitergeben. Lichterprozessionen, Kreuzanbetung, die wunderbaren Gesänge des internationalen Chores – für all das bleibt bei den Maltesern nur wenig Zeit. Denn bis zu 120 Patienten müssen während des Festivals täglich sanitätsdienstlich versorgt werden.

Geste der Menschlichkeit

Und was wäre eine Wallfahrtssaison ohne mindestens ein kleines, persönliches Wunder? Rückblende: Medjugorje, eine warme Sommernacht im Jahr 2016. Es ist bereits 23 Uhr. Die Schicht der Malteser um Wilfried Benkel ist vorbei und die Helfer sitzen noch etwas beisammen. Plötzlich geht ein Notruf ein: Oben, auf dem Erscheinungsberg, ist ein Mann verunglückt. Vier Malteser brechen umgehend auf. Spontan schließen sich ihnen zwei Pilger aus Österreich an, wollen helfen. Erst in den frühen Morgenstunden kehren die Helfer zurück, gemeinsam mit dem mittlerweile stabilisierten Pilger, der in einem Tragestuhl sitzt. Sommer 2017: Die Malteser treffen sich wieder in Medjugorje. Auch die beiden Österreicher sind wieder da. Und sie kommen nicht mit leeren Händen. Mit im Gepäck haben sie eine speziell angefertigte Trage, mit einem Rad versehen. Die Benkels können es kaum fassen, so überwältigt sind sie von dieser Geste der Menschlichkeit. Ein Jahr lang haben dir Pilger aus Österreich zu Hause Spenden gesammelt, um dieses Gefährt anfertigen zu lassen. Und natürlich kommt die „Radtrage“ direkt zum Einsatz am Berghang.

Ende August, zurück in Geseke: 36 Tage intensiver Arbeit liegen jetzt hinter den Benkels. Ein Wochenende gab es in der Zeit für die beiden nicht. Lediglich einen Tag haben sich Maria und Wilfried eine Auszeit gegönnt, um Sarajewo zu besuchen. Und schon jetzt steht für sie fest: So Gott will, fahren wir nächstes Jahr wieder nach Medjugorje – um das zu tun, was Malteser seit Jahrhunderten tun: sie kümmern sich um Pilger auf ihrem Weg.

Weitere Informationen

Frank Kaiser
Diözesanreferent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. (05251) 1355-12
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