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Malteser Paderborn

Wer hilft, kann nichts falsch machen

Der 8. September ist "Europäischer Tag der Ersten Hilfe"

06.09.2019
Karina Wächter ist Diözesanausbildungsreferentin der Malteser im Erzbistum Paderborn. Foto: Malteser

Erste Hilfe leisten ist in Deutschland noch immer nicht selbstverständlich. Der "Europäische Tag der Ersten Hilfe" am Sonntag, 8. September hat daher das Ziel, die Menschen daran zu erinnern, wie wichtig fachgerechte Nothilfe bei plötzlich auftretenden Erkrankungen, Unfällen und Katastrophen ist. Drei Fragen an Karina Wächter, Diözesanausbildungsreferentin der Malteser im Erzbistum Paderborn.

Wie verhalte ich mich, wenn ich als erster an eine Unfallstelle komme?

Karina Wächter: „Der Ersthelfer muss durch seine verantwortliche, qualifizierte Hilfe die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Dafür sollte man sich zunächst einen Überblick verschaffen, damit die lebensrettenden Maßnahmen richtig organisiert werden können.

Sie müssen dazu 3 Schritte befolgen: Zunächst „Erkennen,“ dann „Beurteilen“ und schließlich „Handeln.“ Der Ersthelfer muss erkennen, dass eine Notfall-Situation besteht. Er beurteilt, welche Gefahren dem Notfall-Betroffenen und dem Ersthelfer drohen könnten. Und dann muss der Ersthelfer sachgerecht handeln, um das Leben des Notfall-Betroffenen zu schützen oder zu retten.

Haben Sie die Situation erst einmal richtig eingeschätzt, ist es wichtig die Unfallstelle abzusichern sowie die nötigen Eigenschutzmaßnahmen zu treffen. Veranlassen Sie anhand Ihrer Beurteilung den Notruf und erledigen Sie Sofortmaßnahmen. Leiten Sie dann alle nötigen Erste-Hilfe Maßnahmen ein bis der Rettungsdienst eintrifft und den Patienten versorgt.“

Was sollte man als Ersthelfer besser vermeiden?

Karina Wächter: „Nichtstun ist ganz sicher falsch. Immer wenn die lebenswichtigen Vitalfunktionen bedroht sind, drängt die Zeit. Je schneller mit den richtigen Maßnahmen begonnen wird, desto höher ist die Überlebenschance des Notfall-Betroffenen. Schon nach 10 bis 15 Sekunden ohne Sauerstoff kommt es zur Bewusstlosigkeit mit Erschlaffen der Muskulatur und dem Wegfall von Schutzreflexen, beispielsweise des Hustenreflexes beim Einatmen von Fremdkörpern. Bereits wenn die Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr zum Gehirn weniger als 3 Minuten andauert, kann es zu bleibenden Schäden kommen. Wird die Sauerstoffversorgung des Gehirns länger als 5 Minuten unterbrochen, droht der Hirntod. Das sind 5 Minuten, die entscheiden!“

Was glauben Sie hindert die Menschen daran, Erste Hilfe zu leisten?

Karina Wächter: „Meiner Erfahrung nach gibt es in der Bevölkerung eine große Unsicherheit. Angst etwas falsch zu machen, Angst für Fehler belangt zu werden, aber auch die Angst vor ansteckenden Infektionskrankheiten. Dennoch: Im Falle eines Kreislaufstillstandes ist die Herzdruckmassage besonders wichtig. Noch besser wäre es, wenn Sie außerdem in der Lage sind, eine Atemspende durchzuführen, weil sie diese z.B. in einem unserer Kurse gelernt haben. Ist keine normale Atmung vorhanden, muss umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Dazu müssen Sie im Wechsel 30 Mal am unteren Drittel des Brustbeins 5-6 cm tief drücken und dann 2 Mal beatmen – und dies solange wiederholen bis der Rettungsdienst eintrifft. Mindestens 100 Kompressionen sollten pro Minute erreicht werden. Wollen Sie sich in der Technik sicherer fühlen und weiterführende Erste-Hilfe-Kenntnisse erlangen, so können sie dies in einem unserer Erste-Hilfe-Kurse tun. Eine Übersicht gibt es unter www.malteser-kurse.de.

Handeln Sie als Ersthelfer nach bestem Wissen und Gewissen und nicht grob fahrlässig, werden Sie auch nicht dafür belangt. Nichts tun hingegen gilt als unterlassene Hilfeleistung. Gegen die Gefahr der Ansteckung gibt es gute Hilfsmittel wie z.B. das Tragen von Handschuhen, die in jedem KFZ-Verbandkasten vorhanden sind, und der Einsatz von Beatmungstüchern.

Die große Mehrheit der Notfälle betrifft übrigens nicht den „fremden Menschen“ auf der Straße, sondern Personen aus dem persönlichen Umfeld – also Ihre Familie, Freunde oder Arbeitskollegen.“

Weitere Informationen

Frank Kaiser
Diözesanreferent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Fundraising
Tel. (05251) 1355-12
frank.kaiser(at)malteser(dot)org
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Anke Buttchereit
stv. Diözesanreferentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Gesundheitsbeauftragte OWL
Tel. (0160) 90117225
anke.buttchereit(at)malteser(dot)org
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